Welche Komplikationen können sich bei Patienten mit Diabetes entwickeln?

In diesem Kapitel möchten wir Sie mit einigen der häufigsten Diabetes-bedingten Probleme vertraut machen. Wenn Sie Ihren Blutzuckerspiegel auf einem möglichst normalen Niveau halten und regelmäßige Untersuchungen und Bluttests durchführen lassen, können Sie dazu beitragen, Komplikationen und weitere unerwünschte Folgeerscheinungen des Diabetes zu verzögern oder gar zu vermeiden.

Retinopathie1
Viele Diabetes-Patienten entwickeln eine Augenerkrankung, die sogenannte diabetische Retinopathie, die durch eine Schädigung der Blutgefäße ausgelöst wird, die die Netzhaut versorgen. Diese Krankheit kann das Sehvermögen stark beeinträchtigen oder zur Erblindung führen. Bevor die Retinopathie das Sehvermögen beeinträchtigt, kann die Krankheit schon weit fortgeschritten sein. Daher ist es sehr wichtig, dass Diabetes-Patienten ihre Augen regelmäßig untersuchen lassen. Wird diese Krankheit frühzeitig erkannt, kann eine entsprechende Behandlung eine Erblindung verhindern.

Mundgesundheit1
Menschen mit schwacher Glukoseregulierung haben ein erhöhtes Risiko für entzündliche Zahnbetterkrankungen (Parodontitis). Parodontitis ist eine der Hauptursachen für Zahnverlust und mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen assoziiert. Eine Parodontitis-Prophylaxe ist bei Diabetes-Patienten besonders wichtig, da eine gute Mundhygiene in Verbindung mit einer guten Blutzuckerregulierung einem Zahnverlust vorbeugen kann.

Herz-Kreislauf-Erkrankung1
Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind die häufigste Ursache für Tod oder Invalidität innerhalb der Patientenpopulation mit Diabetes. Zu den Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die als Begleiterkrankungen des Diabetes auftreten können, gehören: Angina pectoris (Schmerz oder Beklemmung im Brustkorb), Myokardinfarkt (Herzinfarkt), Schlaganfall, periphere arterielle Verschlusskrankheit (reduzierte Blutversorgung der unteren Extremitäten) und dekompensierte Herzinsuffizienz (Herzschwäche, die zu Flüssigkeitsansammlungen in der Lunge und den umgebenden Körpergeweben führt). Bluthochdruck, hohe Cholesterin- und Blutzuckerwerte (häufige Begleiterkrankungen des Diabetes) sind Faktoren, die das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen.

Nephropathie1
Die diabetische Nephropathie ist eine Erkrankung der Nieren, die als Komplikation des Diabetes mellitus auftritt. Diabetes ist eine der führenden Ursachen für chronische (dauerhafte) Nierenerkrankungen. Infolge der über Jahre erhöhten Blutzuckerwerte werden die kleineren Blutgefäße geschädigt, es kommt zu Veränderungen der Nierengewebe und in der Folge zu einer reduzierten Nierenleistung bis hin zum Nierenversagen. Wenn Sie Ihre Blutzuckerwerte und Ihren Blutdruck auf nahezu normalem Niveau halten, können Sie das Risiko, an einer Nephropathie zu erkranken, deutlich reduzieren.

Schwangerschaftskomplikationen1
Unabhängig vom Diabetes-Typ besteht ein erhöhtes Risiko für Schwangerschaftskomplikationen, da hohe Blutzuckerspiegel, die Entwicklung des Fötus beeinträchtigen. Vor und während der Schwangerschaft müssen Diabetes-Patientinnen daher sorgfältig überwacht werden, um diese Risiken zu senken. Erhöhte Blutzuckerwerte während der Schwangerschaft können die Reifung bestimmter Organe verzögern und dazu führen, dass das Baby im Mutterleib übergroß und sehr schwer wird. Dies kann zu Geburtsverletzungen bei Mutter und Kind und einem zu niedrigen Blutzucker (Hypoglykämie) beim neugeborenen Kind führen. Kinder, die im Mutterleib einem erhöhten Blutzucker ausgesetzt waren, haben ein höheres Risiko, im späteren Leben einen Diabetes mellitus Typ 2 zu entwickeln.

Neuropathie1
Langjährige erhöhte Blutzuckerspiegel können die Nerven im Körper schädigen und eine sogenannte diabetische Neuropathie auslösen. Die häufigste Form dieser Nervenerkrankung ist die periphere Neuropathie, bei der primär die sensorischen Nerven in den Füßen betroffen sind. Dabei kann es zu Schmerzen, Kribbeln und sogar einem vollständigen Gefühlsverlust in den Füßen kommen. Das ist problematisch, wenn infolgedessen Verletzungen unbemerkt bleiben und sich Geschwüre und schwere Infektionen entwickeln, die im schlimmsten Fall zu einer Amputation führen. Nervenschädigungen können auch eine erektile Dysfunktion (Erektionsstörung bei Männern) sowie Verdauungsprobleme, Probleme beim Wasserlassen und andere Funktionsstörungen hervorrufen.

Diabetisches Fußsyndrom1
Neben einer Schädigung der Nerven kann es bei Diabetes-Patienten infolge der geschädigten Blutgefäße auch zu Durchblutungsstörungen in den Füßen kommen. Durchblutungsstörungen erhöhen das Risiko für Geschwüre und Infektionen und damit auch das Amputationsrisiko. Diabetes-Patienten haben ein Amputationsrisiko, welches das gesunder Menschen um mehr als das 25-Fache übersteigen kann.
Durch gutes Diabetesmanagement kann eine große Zahl der Amputationen jedoch vermieden werden. Im Hinblick auf diese Risiken, ist es wichtig, dass Diabetes-Patienten regelmäßig ihre Füße untersuchen, sodass mögliche Probleme frühzeitig erkannt werden.

Wie können Sie Komplikationen des Diabetes vermeiden?
Die wichtigsten Komplikationen, die im Zusammenhang mit einem Diabetes auftreten können, vermeiden Sie durch:

  • Gute Einstellung Ihres Blutzuckers
  • Gute Einstellung Ihres Blutdrucks und Ihrer Cholesterinwerte
  • Regelmäßige Blutuntersuchungen und Untersuchungen Ihrer Augen und Füße
  • Informieren Sie sich umfassend darüber, wie Sie Ihren Diabetes am besten in den Griff bekommen, z. B. durch
  • Gesunde Ernährung und ausreichende körperliche Bewegung
  • Einnahme Ihrer Antidiabetika gemäß Verordnung Ihres Arztes
  • Regelmäßige Bestimmung Ihrer Blutzuckerwerte




1 IDF Diabetes Atlas (7. Ausgabe) (2015). Brüssel, Belgien: International Diabetes Federation.

 

5
Beitrags basiert auf 2 Stimmen.